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Das Wiener Stuwerviertel – Strassenstrich rund um den Prater

Hallo liebe Liebenden

Als ich voriges Wochenende zu einem Kurzaufenthalt in Wien war, ließ ich mir natürlich auch das Wiener Nachtleben nicht entgehen. Ich versuche bei meinen Reisen immer Swingerclubs, einschlägige Bars oder sonstiges für mich zu entdecken und genieße dabei das bequeme Recherchieren im Internet auf guten Sexführern. Immer schon hat mich das Rotlicht-Milieu fasziniert, wenngleich ich keinerlei Berührungspunkte zu handelnden Personen habe. Als ich nun wie erwähnt in Wien war (mit einem sehr guten Bekannten), streiften wir über den Gürtel, besuchten die beiden bekannten großen FKK-Clubs und bekamen dort von einem älteren gediegenen Wiener den Tip, doch auch mal im “Stuwerviertel” vorbeizuschaun. Diesen Namen hatte ich schon mal gehört, doch wußte ich nicht mehr wo genau. Der Mann erklärte uns kurz den Weg (“Rauf auf die Tagentn und beim da Hofnstroßn wieda oba, und daun Richtung Prota weida, werts sis scho findn…”) und lächelte. Irgendwie neugierig geworden, begaben wir uns also auf den Weg, um dieses Viertel zu erkunden. Wien bei Tag ist schön. Aber Wien bei Nacht ist richtig faszinierend. Sirenengeheul liegt in der Luft, durchgehend Industrie- und Großstadt-Lärm und überall Menschen, unterwegs in Autos, zu Fuß, mit dem Rad, dauernd was los in der “großen Stadt”. Wir nahmen die Abfahrt Hafenstraße und fuhren dann Richtung Prater, parkten unser Auto in der Tiefgarage bei der Polizei und begaben uns zu Fuß auf Entdeckungsreise.

Es war ein klein wenig wie eine eigene kleine Welt: Strichkätzchen überall, Ausüben des Gewerbes auf Parkbänken, in Büschen und sogar zwischen parkenden Autos. Manchmal standen mehrere Schwarzafrikanerinnen an den Gehsteigen, woanders stritt eine Wasserstoffblonde Sexworkerin offensichtlich um Ihren Liebeslohn. Wir sahen Kleinkriminelle in aufgemotzten Corvettes vorbeifahren, und die offenbar sattelfesteren “Manager” in schönen Touaregs, Chayenne oder BMW/Audi-SUVs.

Mich faszinierte dieses Viertel, es hatte irgendwie den Flair den wohl Chicago in den 1920er und 1930er Jahren gehabt haben muß. Ein bischen sich selbst überlassen, mit eigenen Regeln und eigenen Statuten ausgestattet inmitten eines urbanen Wiens. Nun habe ich schon einiges über das Stuwerviertel in Erfahrung bringen können. Anfangs war es nur ein weitläufiges Augebiet an der damals noch unregulierten Donau, in dem sich der Kaiser mit seinem Gefolge der Jagd hingab. Ab 1774 veranstaltete hier auf den großen Wiesen vor den Toren Wiens Johann Georg Stuwer (eigentlich Stubenrauch) populäre Kunstfeuerwerke, von dem dieses Viertel in Folge auch die Bezeichnung Stuwerviertel erhielt. Als Kaiser Joseph II. 1776 den Wiener Prater als Vergnügungspark für die Öffentlikcheit zugänglich machte, trug dies maßgeblich zur Entwicklung und zum Wachstum des Stuwerviertels bei. 1876 wurde von Anton Stuwer, einem Urenkel des Johann Georg Stuwer, das letzte Stuwersche Feuerwerk abgebrannt.

Obwohl bereits 1875 die Donauregulierung vollendet wurde und die Erschließung des gewonnen Geländes begann, entstanden die ersten Häuser erst 1880 entlang der Ausstellungsstraße. Sie erhielt ihren Namen im Zuge der Weltausstellung 1873, bei der die Weltausstellungs-Bahn der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn durch das noch unverbaute Gelände zum Weltausstellungs-Bahnhof führte. Doch dann setzte ein Bauboom ein und bereits Anfang des 20. Jhdts. war ein Großteil des Stuwerviertels verbaut, wovon die vielen heute noch bestehenden Gründerzeithäuser zeugen.

Die Nähe zum größten Vergnügungspark Europas begünstigte vor etwa 100 Jahren die Entstehung einer Rotlichtszene, die sich inzwischen zu einer der größten Wiens entwickelt hat. Es gibt diverse Zimmervermietungen (Stundenhotels) für Mädchen vom Straßenstrich, Bars, Bordelle und Sexshops. Vor allem durch diese undurchschaubare und für viele immer noch klischeebesetzte Szene ist der Ruf der angrenzenden Bewohner nach Sicherheit und Ordnung laut. Denn das Stuwerviertel ist keine Nobelgegend, es ist ein eher durchschnittliches Wiener Wohngebiet. Dennoch ziehen gerade in den letzten Jahren immer mehr Studenten und Künstler in dieses Viertel, da es eines der Grünsten in ganz Wien ist. Den Ruf als Rotlichtszene aber, wird dieses Stuwerviertel wohl nie ganz verlieren, es ist und bleibt schließlich das älteste Gewerbe der Welt, das hier stattfindet.

Hoffe Euch hat mein Bericht gefallen, würde mich freuen, wenn sich evt. Kenner oder sogar Bewohner des Stuwerviertels zu Wort melden würden,
bis dahin alles Liebe,
die liebe Susanne

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